Eine Katze namens „Gingha“

Jedes Katzentier ist ein Meisterstück der Natur.

Leonardo da Vinci

Heute möchte ich unser Meisterstück vorstellen: Gingha!

In ihrem Katzenausweis steht „Gemeine gelbe Hauskatze“. Dem können wir natürlich in keiner Weise zustimmen. Sie ist weder gemein noch eine gewöhnliche Hauskatze. Auch würden wir nie behaupten, dass ihr Fell gelb wäre. Für uns ist sie eine kleine Rothaarige. Ihr Fell ist buschig und relativ lang, was sie manchmal wie einen kleinen Fuchs aussehen lässt. Eine gute Freundin nennt sie immer liebevoll „Fussel“.

Vom Charakter her ist sie eine sehr vorsichtige und eher scheue Katze. Aber in den vier Jahren, die sie jetzt schon bei uns ist, wurde sie zunehmend zutraulicher.

Manchmal ist sie ein richtiger Clown und sehr verspielt. Überall gibt es etwas zu entdecken und beschnuppern. Zum Leitwesen der kleinen Eidechsen, die in unserem Garten leben, leider auch immer mal wieder was zum Fangen und Verspeisen – ein richtiger kleiner Tiger halt.

Vor ein paar Wochen hatten wir einen Gast bei uns im Bed & Breakfast, der vor allem wegen Gingha gebucht hatte. Kaum hatte ich die Tür geöffnet, ging er auch schon auf Suche nach ihr. Wir nannten ihn nach nur einem Tag schon den „Katzen-Stalker“. Wann immer er da war, wurde zuerst Gingha gesucht. Sobald er sie dann gefunden hatte, wurde aus dem recht großen, eher ernst wirkenden Mann ein kleiner Junge der in drolliger Kindersprache versuchte, mit der Katze zu kommunizieren. Wie Gingha das fand, nun ja…

Gingha hat mittlerweile einen richtigen Fanclub unter den Gästen. Und nicht selten fragen sie noch Monate nach ihrem Urlaub bei uns nach, wie es dem Kätzchen denn so gehen würde und das sie gerne ein paar Bilder geschickt bekämen.

Im Allgemeinen betrachtet Gingha aber unsere Gäste als eine Art Unterhaltungsprogramm für sie selbst. Morgens, wenn alle noch schlafen, streift sie an den Zimmertüren vorbei und schaut neugierig, ob sich schon jemand regt. Wenn eine Tür dann mal aufgeht, ist sie sofort weg über die Mauer zum Nachbarn. Neugierig sein ist die eine Sache, aber dabei erwischt zu werden, eine ganz andere.

Auch mischt sie gerne die Hunde in der Nachbarschaft auf. Insbesondere den großen Bullmastiff unserer Nachbarin führt sie gerne vor. Sie springt auf die Terrasse nebenan und wartet, bis er sie sieht und schwups, ist sie wieder über die Mauer zu uns und der arme Kerl dreht durch.

Die Überlegenheit der Katze über den Hund zeigt sich daran, dass es keine Polizeikatzen gibt.

Jean Cocteau

Wer übrigens behauptet, dass man Katzen nichts beibringen kann, der liegt – zumindest was unsere Katze betrifft – vollkommen falsch. Sie weiß genau, dass es ihr nicht erlaubt ist, in die Gästezimmer zu gehen. Und tatsächlich, da hält sich sich auch dran. Sie versteht zudem drei Sprachen. Mein Mann und ich sprechen mit ihr deutsch, unsere Gäste meist englisch und das Personal portugiesisch. Kein Problem für sie, sofern sie Lust hat einen zu verstehen. Auch möchten wir nicht, dass sie abends oder nachts draußen herumläuft. Und man kann schon fast die Uhr nach ihr stellen, spätestens um 18.00 Uhr ist das Kätzchen im Haus und legt sich in sein Körbchen zum Schlafen. Ja, nachtaktiv ist unsere Katze auch nicht. Sie passte sich unserem Rhythmus nur allzu gerne an.

Was Komfort anbelangt, so ist unsere Katze ebenfalls eine richtige Kennerin. Sie liebt es auf dem Sessel in der Gästelounge zu liegen und gerne darf es auch mal eine hochwertige Woll- oder Kaschmirdecke sein, in die man sich so wunderbar hinein kuscheln kann.

Wie man unschwer erkennt, bin ich wirklich vernarrt in unser Kätzchen. Sie ist ein Geschenk und bereichert unser Leben täglich aufs Neue. Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich einmal eine Katze als ein Familienmitglied ansehen würde, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. Aber hier in unserem neuen Leben, unserem neuen Zuhause, betrachtet man viele Dinge und Situationen anders und neu.

Selbst Familie und Freunde in Deutschland, die keine Haustiere haben, sehen Gingha als Familienmitglied. In jedem Weihnachts- und Osterpaket finden sich Leckereien und Spielsachen. Und wenn jemand zu Besuch kommt, bringt er etwas fürs Kätzchen mit.

Unsere Mitarbeiterinnen – Doroteia und Paula – nennen Gingha gerne auch mal ihre Prinzessin. Sie sind genauso vernarrt in sie wie wir. Wenn wir für ein paar Tage unterwegs sind, kümmert Doroteia sich rührend um das Kätzchen und schickt mir kleine Videos und Bilder.

Eine Freundin sagte mir, als wir das Kätzchen gerade hatten, dass erst eine Katze ein Heim zu einem Zuhause macht. Ich fand das etwas übertrieben. Aber mit den Jahren durfte ich feststellen, dass sie wirklich Recht damit hat.

Gute Freunde schenkten uns nach ihrem ersten Besuch in der Quinta ein kleines Schild, das seit Eröffnung des Bed & Breakfast am Eingang hängt.

In diesem Sinne.
Beijinhos
Heike

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